TWIKE Klub
   
Kleine Jurareise 2014

Vor langer Zeit war der Jura schon von TWIKEs bereist worden (siehe alte Berichte). 2014 Ostern: Die Alpenpässe sind noch geschlossen, aber das Frühlingswetter lockt in die (nahe) Ferne. Eine spontane Jurarundreise wird bei dreifels in der Kaffeepause am Mittwoch geplant. Die abschreckenden Wetterprognosen ignorieren wir.
Hotels in St. Ursanne und Le Locle sind die Fixpunkte. Dazwischen liegen weniger als 100 km, also keine Sorgen bezüglich Ladepausen.


Donnerstag 17.4.2014 Abend: Reisevorbereitung


Mit dabei sind TW 001, das erste TWIKE der Serie, Baujahr 1995 und schon damals bei den Pressefotos der BASF am Hockenheimring dabei. Inzwischen etwas renoviert, Carosserie ausgewechselt (die alte war zu verformt, weil wir dort versuchten die Innenauskleidung mit einer Beflockung zu machen), Getriebe durch ein leises 3x3 ersetzt und mit 10 kWh der neusten Panasonic Lithium-Ionen Akkus ausgerüstet, sowie Zusatzladegerät.

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Erprobt auf der anderen Seite der Welt an der Solar Challenge 2007, ist das TW 794 wohl das weitestgereiste TWIKE. Gebaut durch dreifels ag in Sissach 2005 als Spezialversion mit Flügeltüren und Solarzellen, hat das TWIKE seine Jungfernfahrt mit HR Badertscher auf der Donaureise zum Schwarzen Meer gemacht. Damals war es mit den ersten NiMH Akkus bestückt, nun mit den 20 Ah LiFePO4 ausgerüstet.

Das dritte TWIKE TW 1007 hat etwas mehr als 1 Jahr auf den Rädern, wurde nach neuster Bauweise in Rosenthal durch FINE Mobile erbaut. Nach einem Unfall wiederaufgebaut, ausgerüstet mit 4 Blöcken à 5.6 Ah = 22.4 Ah LION Akku.

Drei Generationen TWIKE mit unterschiedlichen Geschichten, verschiedene Akkusystemen, aber alle mit dem neusten 3x3 Getriebe, Heidenau 3.0 Reifen und dem dreifels-Controller ausgestattet. Auch wenn es nicht als Wettfahrt geplant, spannend ist trotzdem den Unterschied in Fahrweise und Energieverbrauch zu beobachten.

Ladeausrüstung: Ein Adapterkabel mit T15 Stecker, 3phasen-Verlängerungskabel mit rote CEE Steckern und ein Adapter, der die drei Phasen auf drei blaue CEE verteilt. Somit können wir an einer in der Schweiz üblichen, kleinen T15 -Steckdose alle drei TWIKE gleichzeitig aufladen. >>> siehe Adapterset

Zwei neuste Gadgets mussten natürlich bei der Gelegenheit auch ihren Alltagsnutzen beweisen: Das sms-Modul und die LED-Matrix-Anzeige.
Vom sms-Modul sieht man nichts, aber das TWIKE hat eine eigene Natelnummer, auf der man anrufen kann und den Stand der Ladung als sms zurück bekommt. Auch wenn die Ladung unterbrochen wird, löst dies eine Kurznachricht aus. Das beruhigt beim gemütlichen Mittagessen im Restaurant.

Die LED-Matrix Anzeige ist an sich nichts weltbewegendes. Ein sehr alter Wunsch, der bisher unerfüllt geblieben, hat Christian nun mit einfachen Standardmodulen wahr gemacht: Per Bluetooth werden die Daten vom dreifels-Controller nach vorne übermittelt. Das Arduino-Board kann nun nach belieben Geschwindigkeit, Ladestand etc. darstellen. Die frei verfügbare Software dazu kann über das USB dann die persönliche Anzeige drauf laden.


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Auf dem Tisch funktioniert alles bestens. Helle und grosse Zahlen und Schriften oder Symbole zeigen die wichtigsten Infos, ohne dass man die Lesebrille hervorholen muss für das kleine TWIKE Display. Wird es auch die rauhen Strassen des Jura überleben?

Karfreitag: Gelterkinden - Laufen - Porrentruy - Saint Ursanne

Strecke total 94 km, Fahrzeit 2:08h

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Energieverbrauch TWIKE (ab Akku):
TW 0001: 5'278 Wh
TW 0794: 5'334 Wh
TW 1007: 5'621 Wh

Zu packen gibt es am Freitag Morgen weiter nicht viel, ein paar Kleider, warme Jacken und das wichtigste, den Garmin. So rein aus Respekt vor Murphy (der schlägt ja immer dann zu, wenn man nicht vorbereitet ist) kommt noch etwas Werkzeug, ein Ersatzschlauch und Regenschirm dazu.

Die Einstellung "Mautstrassen vermeiden" und "kürzeste Strecke" (allerdings "unbefestigte Strassen vermeiden") führen uns über alle Hügel des Tafeljuras durch wunderschöne und unbefahrene Strassen.

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An die LED-Martix gewöhnt man sich überaus schnell. Tacho, Blinker und Licht auf einen Blick; die Helligkeit ist mit einem Fotosensor der Umgebung angepasst, sodass sie bei Sonne hell genug, aber nachts nicht blendet.


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. . . da nimmt die Berüssungslaufschrift gerade vorweg, was die Piloten vom TW 001 und TW 794 sich wünschen . .

Bald sind wir in Laufen - kurzer Spaziergang durch die Altstadt.

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Die Stadt ist klein und alle Läden wegen Feiertag geschlossen. Ein paar Fotos und dann weiter nach Westen.

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Wir fahren durch das verschlafene Kleinlützel und in endlosen Schlangenlinien dem Fluss entlang. Eine kleine Passhöhe nach dem französischen Zoll und wir sind auf der Hochebene des französischen Juras.

Irgendwie fährt sich das TW 794 schwammig und schwankt hin und her. Ist Adrian zu schwer oder der Reifendruck zu tief? Ich hatte am Abend noch neue Reifen und Räder montiert, das ist immer verdächtig.

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Bei der nächsten Tankstelle die Kontrolle: Leider fehlte im Ventilaufsatz des Luftdruckschlauchs die Gummidichtung, sodass alle Luft seitlich raus geht. Also nicht lange rumpröblen und rasch zur nächsten Tankstelle. Der Reifendruck ist noch über 4.5 bar, also nicht die Ursache. Etwas an der Federung rumdrücken und dann ist es klar: der rechte Stossdämpfer ist leck und schwingt ohne Dämpfung auf und ab. Bei den welligen Strassen schaukelt so das TWIKE wie ein Boot. Fahren kann man immer noch, einfach die Linkskurven etwas vorsichtiger nehmen. Nach der Reise kommt da ein neuer Dämpfer rein (er hat ja auch schon 56'000 km seinen Dienst getan).



Porrentruy

Der Rapunzelturm ist schon von weitem sichtbar. Das Garmin führt in die Stadt, und in einer kleinen Allee, die nach Parkplatz aussieht, zweige ich ab.
Welche Überraschung: Schnurstracks führt dies zu zwei Elektromobil-Parkplätzen mit Ladesäule. System BKW mit einer blauen CEE und einer Typ 2 Steckdose mit RFID-Aktivierung. Perfekter liesse es sich nicht planen. Wir haben zwar noch ausreichend Strom im Akku, aber der Weg nach Saint Ursanne führt über einen kleinen Pass und da ist es besser zu viel als zu wenig Strom zu haben.

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Das TW 794 verkable ich mit der blauen CEE Dose. Das TW 1007 wird mit dem T13 Stecker im TW 794 eingesteckt anstelle des Zusatzladegerätes. So können wir jedes TWIKE mit je 8A laden. Das TW 001 hat noch fast 100km Reichweitenreserve und muss sich nicht um Strom kümmern.

Die Formalitäten zur Aktivierung der Steckdose sind dann ein komplexeres Unterfangen. Christian füllt am Kiosk gegenüber zwei mehrseitige Verträge aus und bekommt dann gegen ein Depot von CHF 15.- und eine Gebühr von 5.-die RFID Karte. Der grüne Knopf leuchtet und tatsächlich fliesst der Strom!
Für die mit 3 x 32 A abgesicherte Typ 2 Steckdose fehlt jedoch der richtige Adapter in meiner Kollektion, sodass wir uns mit 16A begnügen. Bei der nächsten Reise kommt so einer in die Ausrüstung.

Das neue Display in Christian's TWIKE leuchtet hell auf, alle LED in voller Helligkeit - ist vermutlich ein Kommunikationsfehler. Peter findet später heraus, dass die Übermittlung von "1111" die LED-Treiber in einen Testmodus schaltet. Das kann es ja schon mal geben, wenn der TWIKE-Umrichter auf der Netzspannung rumhackt, um diese in die Akkus zu schaufeln.
Das wäre ja nur ein kleiner Schönheitsfehler, wenn nicht nach ein paar Sekunden der beissende Geruch von fritierten Ampèrekäfern aus dem TWIKE quellen würde. Schnell die Stecker raus und abschalten, damit das 12V-Netz weg ist. Die Lichtershow war wohl etwas zu viel für den kleinen 5V-Spannungsregler auf dem Arduino-Board: Anzeige ausstecken und das war's dann wohl gewesen. Der intensive Geruch bleibt noch lange im TWIKE haften, aber die Gewissheit, dass Peter die schöne Anzeige am Dienstag fachgerecht reparieren wird, macht es etwas erträglicher. Die Anzeige hingegen vermisst man schon in den ersten paar Kilometern.

Die Stadt Porrentruy sieht sehr verlassen aus, aber das liegt wohl am Feiertag. Wir studieren die Architektur und steigen zum Rapunzelturm auf den Hügel hoch.

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Die Wirtschaft in der Stadt scheint aber auch sonst nicht so zu boomen. Die Schaufenster und Häuser verbreiten einen speziellen, melancholischen Charme.

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Zeit für ein Gruppenbild:
Jane (TW 001), Tanya (meist mit Jane im TWIKE, singt sehr schön bei schönem Wetter), Adrian (bei Ralph oder Christian im TWIKE, schläft in jeder Lage), Ralph TW 794 und Christian TW 1007 (wieder ohne die LED-Matrix-Anzeige)

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So wie beim Kühlturm in Gösgen muss man zu erst aussen die Treppe hochsteigen. Interessant wie völlig andere technische Gegebenheiten ähnliche funktionale Lösungen ergeben.

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Wir durchkämmen alle Stockwerke, bis unter den Dachstuhl, aber leider können wir Rapunzel nicht finden.

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Anschliessend finden wir nach längerem Suchen das einzige gemütliche Restaurant, das geöffnet hat, geniessen einen gebratenen Ziegenkäse und schon bald meldet das TW 794 per sms, der Akku sei voll.

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Saint Ursanne

Der Weg nach Saint Ursanne ist nicht weit, aber der Pass dazwischen durchaus beachtlich. Trotz des Nieselregens passieren wir einige Velofahrer, die vermutlich diese Route aus einem der vielen Velo-Reiseführer entnommen hatten. Mit dem TWIKE geht es einiges lockerer. Das Wetter ist wie angekündigt kalt und regnerisch, sodass leider die schönen Panoramafotos nicht möglich waren.

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Die berühmte Brücke steht dafür, frei von Touristen, für unsere Linse bereit.

Durch das Osttor fahren wir direkt auf unser Hotel zu.

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Die Wirtin des Gasthofs du Boeuf hatte uns bereits in Porrentruy gesichtet. Sie setzte sich nach etwas Überlegung mit der Nachbarschaft in Verbindung, sodass wir kurz darauf ein schönes Plätzchen für die drei TWIKE gegenüber des Hotels bekommen und eine T15 Steckdose.

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Angezapft ist und wir können den Abend geniessen.

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Die TWIKE sind glücklich am laden, die Kinder machen es sich im Hotelzimmer gemütlich und wir erkunden die Stadt. Saint Ursanne hat nicht viele Häuser, aber eine grosse Kirche, wo gerade für die Osterfeier das Konzert geprobt wird.
Wir verirren uns in den Gärten am Hang und finden schliesslich eine Türe.

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Der Weg führt uns zum heiligen Mönch Ursus, der dort in der Höhle seit ca. 1'000 Jahren die Bibel studiert. Offensichtlich etwas gelangweilt. Wäre an der Zeit, dass man ihm dort auch ein WLAN installiert.

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Eigentlich folgen wir dem Wegweiser "Gare CFF" und landen in der nächsten Höhle etwas weiter oben; ist das der Wartsaal in dem schon der Mönch auf den nächsten Zug gewartet hatte?

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Unten zwischen den dicht gebauten Häusern kuscheln sich die drei TWIKE und erwarten die Abenteuer des nächsten Tages.

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Etwas ungewohnt ist die moderne S3 auf dem historischen Viadukt. Eine Dampflokomotive wäre passender. Die Bahn fährt übrigens direkt nach Gelterkinden . . . da realisiert man, dass man zwar weit weg von Zuhause, aber dennoch gleich um die Ecke ist.

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Zuoberst auf dem Felskamm hat es ein weiteres Höhlensystem, das jedoch nicht ganz so alt sein dürfte. Im ersten Weltkrieg diente es vermutlich als Geschützstellung zur Verteidigung der Schweiz gegen Frankreich.

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La Chaux-de-Fonds und Le Locle

Samstag 20.4.2014: Wir wollen in die modernste Weltstadt des 19. Jahrhunderts zum shoppen, denn heute sind die Geschäfte geöffnet.

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Strecke total 94.5 km, Fahrzeit 2:08h

Energieverbrauch TWIKE (ab Akku):
TW 0001: 5'970 Wh (Jane + Tanya)
TW 0794: 5'554 Wh (Ralph)
TW 1007: 6'921 Wh (Christian + Adrian)


Erst mal geht es dem Doubs entlang nach Frankreich.

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Traumhafte Landschaft, kein Verkehr, aber leider Nieselregen. Ab und zu ein Halt, um die Panoramascheiben zu putzen.

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Und wieder einmal passieren wir die Grenze zu Europa. Niemand hat es gemerkt.

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Wir vermuten, dass man auch in Paris noch nicht gemerkt hat, dass die Region überhaupt existiert. Mit Ziegenkäse schlägt man sich irgendwie durch. Satellitenschüsseln stellen die Verbindung zum Rest der Welt sicher ("Desperate Housewives" z.B. damit man versteht, dass es noch andere Probleme in dieser Welt gibt).

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Oder dann halt an den Fluss hinunter und ein paar frische Forellen fangen.

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Das auffällige Dreiergespann fällt nur deshalb nicht auf, weil niemand da ist, dem es auffallen könnte.

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In Saint Hippolyte, wo der Doubs und die Dessoubre zusammen fliessen, machen wir einen kurzen Zwischenhalt auf dem neu renovierten Dorfplatz. Tatsächlich finden wir fast keinen Parkplatz, denn alle Autos, die es hier gibt scheinen dort parkiert zu sein.

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Es könnte auch daran liegen, dass heute der Zirkus in der Stadt ist.

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Ganz schöne Details findet man an den paar Häusern . . . etwas renovationsbedürftig.

Weiter geht es nach der Kaffeepause Richtung Maiche. Das GPS führt uns zielstrebig der Dessoubre entlang, bis es uns auf einen schmalen Waldweg steil den Hang hinauf führt. Auch die 1:200'000 Karte kennt davon nichts. Wir haben jedoch inzwischen gelernt, dass der Garmin immer Recht hat und vertrauen blind den Satelliten.

Tatsächlich taucht aus dem Nebel plötzlich das Dorfschild Maiche auf.

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Ganz kurz anhalten, Foto schiessen und das Wohlergehen aller Passagiere prüfen. Inzwischen hat der Nebelregen zu Schneeregen mutiert, sodass es nur eine Antwort gibt: schnell weiterfahren!

Zum Glück ist es nicht mehr wie anno dazumal, als die NiCd Batterien die Etappen bestimmen. Jetzt liegt die Macht beim Fahrer (rsp. Beifahrer) und schon geht's weiter über einen nächsten 1'000m-Pass und wieder hinunter zum Doubs auf 700m.

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Vor dem Abstieg noch mal den Defroster anwerfen und mit dem Lappen die Scheibe frei machen, denn den den Haarnadelkuven braucht man auch die seitliche Sicht.

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Ganz schön wäre es hier bei Sonnenschein. Wir sind froh, sitzen wir nicht auf dem Motorradsattel oder Velo. Ein Twizzy wäre vielleicht in den scharfen Kurven etwas flotter, aber keine echte Alternative (vor allem für die Beifahrer, welche gemäss Testberichten trotz Seitentüren das wahre Klima spüren).

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Über den Doubs (611 m ü.M.) und zurück in die Schweiz . . . wir haben die vertrauten Schilder schon etwas vermisst.

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Die Steigung wollte nicht aufhören, obwohl La Chaux-de-Fonds nur noch ein paar Kilometer entfernt sein sollte. Erst auf 1'050 m ü.M. ist dann genug; die Wiesen sind schon mit einem weissen Flaum gepudert. Akku, Motor und Elektronik zeigen allerdings keinen Anflug von Ermüdung.

Auch Christian (der bisher seinen Akku noch nie leer gefahren hatte) ist erleichtert, dass unser Tagesziel in Sicht ist.

Zeit für eine kleine Zirkusnummer:

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La Chaux-de-Fonds

Welcome to the Big City!

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Die modernste Stadt der Schweiz empfängt uns (mit wasserspukenden Schildkröten). Auf der 4-spurigen Hauptstrasse cruisen wir nach Amerikanischer Art auf und ab.

Das Shoppingfieber bricht aus, wir stellen die TWIKE irgendwo mitten auf den breiten Plätzen ab und teilen unser Jagdrevier auf: Ralph und Adrian suchen neue Schuhe (die aktuell an den Füssen klebenden sind ganz durchnässt und ausgetreten), Tanya und Jane ab in die Modewelt und Christian ergründet die kulturellen Angebote.

Nächster Treffpunkt 16h.

Anders als in den sonstige Metropolen dieser Welt, sind wir fast die Einzigen, welche hier diese Bedürfnisse befriedigen möchten - fast etwas unheimlich wie in einem Film, wo man bei den Statisten gespart hat.




Etappenziel: Le Locle

Ladenschluss, wir packen unsere Trophäen ins TWIKE und ziehen weiter. Bis Le Locle sind es nur 8 km und erst noch bergab. Vorbei am Flughafen und skurrile, halb in der kargen Landschaft versenkten Glaskisten, welche die Namen der berühmten Uhren tragen und schon sind wir in der kleinen Schwesterstadt. Gleiches Bauschema, aber schon fast niedlich kompakt.

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TWIKE mit Hut - die Strasse führt uns auf direktem Weg ins Parkhaus des Hotels "Trois Rois".

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Zwei reservierte Parkplätze und die geliebte T15 Steckdose an der Wand (ganz rechts im Bild).

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So sah das Hotel zu seinem Höhepunkt Ende des 19. Jahrhunderts aus, als die Könige aus der ganzen Welt in die Region pilgerten, um das edle Handwerk der Uhrenmacher zu bestaunen.

In den Siebzigerjahren hat man dann mit dem alten Kitsch aufgeräumt und einen richtigen, zeitgemässen Königspalast aus Glas, Aluminium und Blech errichtet. (Man beachte, dass trotz Temperaturen um 5 Grad die Fenster alle angekippt sind . . . jeder muss seinen Beitrag zur Klimaerwärmung leisten).

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. . . na gut, jeder hat so seine architektonischen Visionen . . . die Glasfassade wurde schon lange nicht mehr geputzt und Zimmer sind gerade Aktion für nur 79.- pro Nacht (dazu noch speziellen Osterrabatt). Innen alles aber pico bello mit Flachbildschirm und Minibar (1 Bier, 1 Mineral ohne Kohlensäure, 1 Mineral mit Kohlensäure und 1 Cola).

Die Stadtregierung besinnt sich eher wieder auf die alten Gebäude. Die Fassadenbeleuchtung ist installiert . . . die Fassade böte noch Handlungsspielraum.

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An Restaurants fehlt es nicht, an jeder Ecke ist ein Lokal. Wir hätten gerne dieses verlockende, lokale Bier versucht, aber leider waren alle Gaststätten in der Stadt geschlossen bis auf zwei: das "Dolce Vita" und das Casinorestaurant, wie wir in einer focussierten 60-Minuten Stadtwanderung eruieren konnten.

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Ganz anders als in den Tourismusorten, wo sogar an Weihnachten alle Geschäfte offen sind, haben wir hier die ganze Stadt nur für uns alleine. Ein einsamer Asiat (vermutlich hat sein Chef nicht daran gedacht, dass hier an Ostern Feiertage sind) und ein junges Pärchen sind die einzigen, die dem Concierge im Dreikönigspalast Gesellschaft leisten.
Vielleicht liegt es an der Tradition, dass hier sehr viele Gastarbeiter (früher nannte man die Ausländer so) aus dem katholischen Süden arbeiteten, die an den Feiertagen zu ihren Familien reisten.



Sonntag 20. April 2014: Creux du Van und Asphaltmine

Eigentlich wollten wir die berühmten Höhlenmühlen in Le Locle besuchen. Gemäss der ausführlichen Beschreibung auf den beiden Tafeln müssten die Höhlen geöffnet sein, jedoch die Ticket dazu muss man im Office du Tourism holen und das hat geschlossen.

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Wir disponieren um und fahren nach Travers zu den Asphaltminen und auf den Creux du Van, da heute überraschenderweise perfektes Frühlingswetter mit grossartiger Sicht ist.


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Strecke total 88.6 km, Fahrzeit 1:57h, d 45km/h

Energieverbrauch TWIKE (ab Akku):
TW 0001: 5'003 Wh (Jane + Adrian)
TW 0794: 4'911 Wh (Ralph + Tanya)
TW 1007: 5'200 Wh (Christian)

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Wie im Bilderbuch präsentiert sich heute die Juralandschaft. Von Les Ponts-de-Martel sehen wir bereits den berühmten Felsenkessel am Horizont.

140420_Jura_03 Die steile Gerade ins Val de Travers hinunter war damals bei der Auslieferung der ersten 200 TWIKE die Teststrecke. Jedes TWIKE musste zu erst mit Vollgas den Berg hinauf und dann mit 88km/h wieder runter, bevor es in Travers in den Bahnwagen verladen wurde.

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Unten machen wir eine kleinen Abstecher zur Fabrik, wo die TWIKE TW 010 bis ca TW 300 montiert wurden. Die Gebäude wurden inzwischen renoviert, aber sonst alles noch so wie vor 19 Jahren. Interessante Feststellung: Keines der drei anwesenden TWIKE wurde dort gebaut.



Creux du Van

Eine imposante Arena, die furchteinflössenden senkrechten Felsklippen bieten faszinierende Bildvorlagen.

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Auch der karge Elfenwald daneben mit den knorrigen Buchen begeistert uns und alle anderen Touristen . . . wer findet Jane.

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Eiger, Mönch und Jungfrau sind gut zusehen, auch der Mont Blanc ragt aus dem Dunst in 122 km Entfernung.

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Super Stimmung und der erste Sonnenbrand des Jahres.

140420_Jura_12 Der Schnee ist gerade erst geschmolzen, Enziane begrüssen den Frühling.

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Aber genug der Sonne, wir wollen den Berg auch von innen sehen und sind pünktlich um 14.30h zur Führung bei den Asphaltminen.

140420_Jura_20 Zweisprachig führt uns die junge Dame in die Unterwelt und deckt die wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Ereignisse der letzten 300 Jahre auf.
Der Scholokadeunternehmer Suchard hatte den Asphaltabbau (gleiche Farbe wie die Kakaobohnen) begonnen, die Engländer haben es später weltweit vermarktet.

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Über 80 km sind die Stollen lang. Wir begehen davon nur 2 km.

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Asphalt hätte es noch viel zu holen, aber interessanterweise wurde 1986 der Abbau eingestellt, obwohl alle vom Peak Oil und den schwindenden Erdölressourcen reden. Der Grund für die Schliessung der Mine war, dass wegen dem billigen Erdöl der Abbau nicht mehr rentierte !?!

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. . . da kommt die bronzene Dame vor dem Hotelfenster schon etwas ins Grübeln. Oder liegt alles in der Hand der UBS?

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Montag 21.4.2014: Uhrenmuseum und Rückreise

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Strecke total 122.4 km, Fahrzeit 2:27h, d 49km/h

Energieverbrauch TWIKE (ab Akku):
TW 0001: 6'184 Wh 50Wh/km (Jane + Tanya)
TW 0794: 5'582 Wh 45Wh/km (Ralph)
TW 1007: 6'246 Wh 50 Wh/km (Christian)

Wir parkieren im menschleeren La Chaux-de-Fonds . . .

140421_Jura_02 . . . alles wird zu Müll - C'est la vie.

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Im Bahnhof verabschieden wir uns von Adrian, der sich soeben in einen flotten Rekruten verwandelt hatte.

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Das (internationale) Uhrenmuseum ist genau der richtige Ort für diesen nassen Montag. Wir lernen alles über die Zeit, von der Wasseruhr über die verspielte Kukucksuhr bis zum Teilchenbeschleuniger im CERN.

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Auf Wiedersehen Jura - ob rostige Blechfassade oder monumentale Betonhöhlen der Siebzigerjahre, ein spannendes Stück der Schweizer Architektur, Natur und Industriegeschichte konnten wir in den 4 Tagen hautnah erleben.

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Die Rückfahrt ging geradlinig nach Osten und hätte geniale Panoramasichten geboten, wenn kein Nebel und Regen den Horizont vorzeitig begrenzt hätten.


Diese Reise wird jederzeit zur Nachahmung wärmstens empfohlen!


rs, 22.4.2014
Kleine Jura-Tour

Ein verlängertes Wochenende ist ideal für einen gemütlichen Ausflug in den nahen Jura.
Drei TWIKE aus unterschiedlichsten Generationen haben diese Ostern die Grenzregion zu Frankreich und die modernste Stadt der Schweiz erobert.
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