TWIKE Klub
   


TWIKE Klub Newsletter April 2026


Liebe TWIKE Fahrerinnen und Fahrer

Jede Woche im 1996 reisten wir zur Produktionsstätte nach Travers im Schweizer Jura, bestiegen 8 TWIKE, jagten sie den Berg hoch nach Ponts-de-Martel und wieder zurück in die Montagehalle. Diverse Kleinmängel galt es noch zu beheben und dann eines nach dem anderen von der Halle hinauf zum Bahnhof, wo bereits ein Güterwagen zum Verlad bereit stand. Mit einem grossen Hammer und einer Kiste voll Holzkeilen bewaffnet nagelten wir diese am Holzboden fest damit die Twikes hoffentlich eine Woche später unbeschadet am Ziel in Gelterkinden ankommen.


Produktion 1996

TWIKE III im der Produktionshalle in Travers NE


Wieso wurden die TWIKE in einer so entlegenen Gegend wie dem Val de Travers produziert? Ein Team von berufsbegleitenden Studenten, die bei der Firma Stoppani in Niederwangen bei Bern arbeiteten, klärten in ihrer Semesterarbeit die Produktionsmöglichkeiten fürs TWIKE ab.

Nach den ersten 10 Fahrzeugen war uns schnell klar, dass wir es in unserer kleinen Werkstatt in Gelterkinden nie schaffen würden 200 Fahrzeuge in einem akzeptablen Zeitrahmen zu produzieren. Stoppani hatte in Travers eine grosse Montagehalle und ein erfahrenes Team für die Montage von elektromechanischen Baugruppen (sowas ähnliches ist das TWIKE). Ein Glücksfall für uns. Der Geschäftsleiter war sofort überzeugt, als er die erste Testfahrt bei ihm auf dem Hof machen konnte und wusste, dass bereits 200 Kunden sehnlichst auf ihr Fahrzeug warteten.

Einige Hürden gab es durchaus zu nehmen. Anfangs rannte die ganze Belegschaft von früh bis spät kreuz und quer durch die riesige Halle, jedes Mal fehlte wieder ein Teil oder ein Schraubenzieher. Die Mitarbeiter waren abends k.o. und kein einziges TWIKE wurde fertig.

Mit meinem Produktionsteam Maya, Olivier und Markus packten wird das Problem an, sortierten alle Teile und Baugruppen statt nach Anlieferungsdatum in die Reihenfolge des Montagablaufes um, und siehe da, dann ging es ruck-zuck. Jede Woche wurden 8 Fahrzeuge fertig, sodass wir die schon lange überfälligen Liefertermine doch noch irgendwie halten konnten.


Bahnhof Gelterkinden 1996

Eine der ersten Lieferchargen am Bahnhof in Gelterkinden


Vom Bahnhof in Gelterkinden ging dann die Stafette weiter, eins ums andere musste zum Kirchrain überführt werden. Nochmals alles durchchecken, die Selbstabnahme für die Zulassung durchgehen und die Auslieferung vorbereiten.

Keiner der Pilotkunden war je ein TWIKE gefahren (per Definition). Daher machten wir eine akribische Fahrkurs-Checkliste, damit wir nichts vergassen. Einige hatten gar kein Problem und fuhren damit los, wie wenn sie das schon immer gemacht hätten ( . . . später erfuhren wir, dass es Flugzeugpiloten waren). Bei anderen hatten wir ernsthafte Bedenken, als wir sie nach 2 Stunden Intensivtraining auf die Strasse liessen.


TW 003 Kerenzer Berg

TWIKE 003 auf dem Kerenzerberg-Pass


Gewisse Pannen waren unvermeidlich. Am nächsten Tag der Anruf: "Das TWIKE läuft nicht mehr!". Am Anfang durchaus Panik: was machen? Dann etablierte sich die Standardfrage: "Ist der Not-Aus vielleicht gedrückt?" . . . übrigens auch nach 30 Jahren die erste Frage, wenn man bei dreifels anruft.


TW 050

Das TW 050 in voller Fahrt


Das flugzeugähnliche Design begeisterte von Anfang an. Ob dann so etwas auch praktisch ist und zuverlässig über Jahre funktioniert, musste zuerst bewiesen werden. Schon nach den ersten Testfahrten wurde uns klar, dass die Idee eines gradverzahnten Getriebes nicht gut war. Glücklicherweise konnte der Lieferant rasch neue Zahnräder liefern, sodass zumindest die erste Stufe schrägverzahnt und damit der Geräuschpegel einigermassen akzeptabel war. Die bereits gelieferten Getriebe wurden umgebaut und ausgetauscht.

Den Kunden hatten wir eine zu erwartende Lebensdauer von 10 Jahren versprochen. Autos wurden damals im Schnitt 7 Jahre alt bis sie in der Schrottpresse landeten. Ein heikles Versprechen, insbesondere, weil wir uns beim Akku für eine sehr unkonventionelle Lösung entschieden hatten. Die kleinen C-Rundzellen (26 x 50mm) wurden bisher nur für Notbeleuchtungen oder Akkubohrer eingesetzt, hatten aber eine Energiedichte und Fertigungsqualität, die uns überzeugte. 2 Blöcke mit je 280 Zellen in Serie erlaubten eine Spannung von 336V. Kein anderes Fahrzeug wagte damals so etwas. 24V oder 48V und ein Staplerantrieb mit 12V Bleiakkus war die bewährte Lösung. Auch der Prototyp TWIKE II hatte 48V und offene NiCd-Akkus.

Was aber auch bekannt war, dass bei Geschwindigkeiten über 40 km/h und am Berg die Bleiakkus spätestes nach 6 Monaten mehr Blei als Akkus waren. NiCd-Datenblätter versprachen hingegen 2000 Zyklen auch bei schneller Entladung und Ladung. Die passende Elektronik dazu konnte uns Schmidhauser AG aus Romanshorn entwickeln. Die Akkus hielten tatsächlich 3 bis 8 Jahre und die Elektronik ist nach 30 Jahren mit kleinen Nachrüstungen noch im Einsatz wie damals. Es sollte 12 Jahre gehen, bis endlich die neuen Lithium-Akkusysteme verfügbar waren, welche das TWIKE vom Haustierchen zum Nutzfahrzeug machten.

Zurück zur Gegenwart


Das TWIKE ist auch als Ausstellungsobjekt eigentlich schon attraktiv, aber ein Fahrzeug muss fahren, nicht nur ums Haus, sondern am besten um die Welt, nicht unbedingt, um etwas zu beweisen (obwohl es ja immer noch Leute geben soll die meinen, man braucht unbedingt billiges Erdöl, um sich fortzubewegen).


TW Challenge_26

Die TWIKE 26 Challenge Flotte wartet auf den Startschuss


Als erste Etappe der TWIKE Challenge 2026 werden wir daher mit fünf Fahrzeugen am 1. Mai nach Süden ziehen. In gemütlichem Rhythmus über die schönsten Strassen nach Sizilien. Die zwei ältesten TWIKE TW 001 und 006 sind mit der neusten Elektronik und Akkus ausgerüstet, die TW 1007, 1014 und 1031 mit bewährten Originalausrüstung, bereits 10-jährigen Akkus aber zusätzlichen Ladegeräten, um die inzwischen überall vorhandene Ladeinfrastruktur nutzen zu können.

Erster Halt ist die Kaffee-Ladepause am 1.5.2026 um 10 Uhr bei der TWIKE Station in Rubigen BE.

Bei der TWIKE Klub GV 2026 werden wir (wie immer) dabei sein und im nächsten Newsletter etwas voraus schauen . . . man kann ja nicht ewig in alten Erinnerungen schwelgen.

Mit lieben Grüssen

Ralph Schnyder, Peter Zeller, Christian Meyer


Nächster Termin gleich noch anmelden:
11. April 2026, Jahresversammlung TWIKE Klub bei elfar in Unterentfelden (AG)
>>> Einladung und Anmeldung



(rs, 31.3.2026)