TWIKE Klub
   


TWIKE Klub Newsletter Februar 2026


Liebe TWIKE Fahrerinnen und Fahrer

Im Februar 1996 waren wir endlich so weit, dass die Fertigung im Val de Travers im Neuenburger Jura einigermassen funktionierte. Ab der Seriennummer TW 010 wurden die Fahrzeuge dort montiert und vor dem Verladen in den Bahnwagen von uns jedes einzeln testgefahren.

Aus chronologischen Gründen widmen wir uns aber in diesem Newsletter den ersten 10 TWIKE der Serie. Eigentlich waren es noch Prototypen, aufgebaut aus den Mustern der mit den Serienwerkzeugen gefertigten Teile. Im Sommer 1995 hatten wir in einer kleinen Werkstatt in Gelterkinden bereits mehrere TWIKE aufgebaut, zum testfahren und all die Details fertig zu machen, die in CAD so einfach aussahen.


Hockenheim-Ring 1995

TWIKE III im Sommer 1995 auf dem Hockenheim-Ring (D)


Die Besitzer der Fahrzeuge gehörten zum engsten Kreis des TWIKE Teams. Das erste Serien-TWIKE ist nicht etwa die Seriennummer TW 001 sondern, weil die niedrigste Ziffer 0 ist, das "TW 000". Wolfgang Möscheid wurde der stolze Besitzer (...dafür musste er es mit Martin und Bernd selber fertig bauen).


Kirchrain 1995

Das TW 000 auf der ersten Testfahrt um den Dorfbrunnen in Gelterkinden


TW 000 1995

Wolfgang mit dem TW 000 mit kunstvoller Lackierung


Auch die TW 001, 002, 003 und 006 blieben in der Familie und dienten, bzw. dienen immer noch als Testplattform für etliche Weiterentwicklungen. Commcept Ltd. als damaliger Hauptinvestor bei TWIKE AG sicherte sich das TW 004, speziell lackiert in metallic dunkelbau mit goldenem Schriftzug.


TW 004

Das TW 004 an der Streetparade in Zürich


Das TW 005 wurde als Ausstellungstwike bei BASF eingetauscht gegen 5 Tonnen Luran S, um weitere Carosserien tiefziehen zu können. Einige Jahre später vermittelten wir das TWIKE an die R&D Abteilung von Honda... (zum nachbauen).

Das legendäre TW 007 machte die erste grosse Reise: Martin Bolliger und Marc Eyer benötigten ein praktisches, attraktives und zuverlässiges Begleitfahrzeug auf ihrer "Roll against Ozon" Tour von Oslo nach Rom (https://www.twikeklub.ch/archiv/a1996/rollozon.htm).


TW 007 in Rom 1997

Das TW 007 mit Martin Bolliger in Rom


In Basel überreichte Peter ihnen leihweise das TW 007 und am 11. September 1996 erreichten sie damit Rom. Martin war so begeistert vom Fahrzeug und den Reaktionen der Leute, dass er sein Studium zur Seite schob, und sich voll fürs TWIKE einsetzte. Lange diente es ihm als Promotions-Fahrzeug beim Aufbau des TWIKE Centers in Bern, z.B. beim Autosalon von der Polizei offiziell dekoriert. Leider wurde es irgendwann in Einzelteile aufgelöst.

TW 007 Polizei-Twike

Das TW 007 dekoriert für den Auto-Salon in Genf

Das TW 008, blau mit knallgelbem Verdeck, wird immer noch von Beat Gysin, Leiter des ehemaligen TWIKE Werkstatt-Teams, im Baselbiet gefahren und gepflegt.

Das letzte der 0-er TWIKE, das TW 009 hatte den härtesten Einsatz als Lieferfahrzeug beim Veloblitz in Zürich. Später ging es in einen etwas gemütlicheren, zivilen Einsatz und ist nach wie vor in Bern unterwegs.


TW 009 in Zürich

Velokurier-Twike TW 009 in Zürich


Beim Durchblättern der Auslieferprotokolle und Werkstatt-Rapporte (damals alles auf Papier – wird man im Jahre 2056 noch irgendwelche Mails von heute entziffern können?) kommt uns vieles bekannt vor. Wie viele Reifen, Radlager, Stossdämpfer, Bremsbeläge sind wohl seit dann getauscht worden?

In der Phase des Hochfahrens der Serie wurde uns auch klar, wieso die allermeisten Fahrzeugprojekte nach dem Prototypen zu Ende sind: Anders als in der Natur, wo alles wächst, wuchert und sich von selbst weiter entwickelt, haben technische Geräte die Eigenschaft mehr oder weniger schnell kaputt zu gehen und sich aufzulösen. Löst sich auch nur eine Schraube oder bricht eine einzige Lötstelle, so steht das Fahrzeug still, früher oder später. Dieser Kampf gegen das Naturgesetz braucht enorm viel Motivation, Erfahrung und schlussendlich auch personelle und finanzielle Ressourcen.


TWIKE Teile

TWIKE Puzzle


Die MTBF (Mean Time Between Failures), also die Zeit zwischen zwei Ausfällen (wissenschaftliche Formel dazu siehe Wikipedia, Begriff definiert in der IEC 60050 Norm) auszuweiten ist seither unsere Leidenschaft und nur dank dem tollen Team ums TWIKE machbar. Um bei allen 1000 Fahrzeugen auch nur ein einziges Teil zu ersetzen oder reparieren bräuchte es 5 Jahre, wenn man jeden Arbeitstag eines machen könnte.

Interessanterweise ging im selben Jahr 1996 mit dem TWIKE auch das erste hocheffiziente Elektroauto EV1 von GM in den USA in Produktion. Mit etwas mehr Entwicklungsbudget (500 - 1'000 Mio $) fertigten sie schliesslich 1'117 Fahrzeuge (47 Fahrzeuge mehr als TWIKE). 2004 wurden die meisten der EV1 eingesammelt und verschrottet. So lässt sich das MTBF Problem auch lösen.

Wir sehen das anders und bleiben dran. Im nächsten Newsletter mehr über unsere Pläne 2026.

Mit lieben Grüssen
Ralph Schnyder, Peter Zeller, Christian Meyer


Nächster Termin:
11. April 2026, Jahresversammlung TWIKE Klub bei elfar in Unterentfelden (AG) (Einladung folgt)



(rs, 09.02.2026)