Unter den Kunden der ersten Twike-Serie im 1996 war auch Josias Gasser aus Haldenstein bei Chur mit der Nummer TW 114. Es war im Herbst 1997 als ich "Jos" an einem Treffen der Twike Vertriebspartner in Gelterkinden zum ersten ersten Mal getroffen habe. Wir kamen gleich ins Gespräch. Es erkannte das Potential des Twike als effizientes Verkehrsmittel und hatte vor, die weitere Produktion voranzutreiben. Denn nach der ersten 200er-Serie war nicht klar, wie es weiter gehen sollte. Wer sollte weiter produzieren, die Montage-Firma S-LEM SA oder die Twike-Vertriebspartner?
Ich erlebte Josias als fröhlichen Visionär und guten Kommunikator, der sein Umfeld von einem nachhaltigen Lebensstil überzeugen wollte. Er war kein Techniker, sondern ein Unternehmer und Anwender. Er spürte, was es braucht, um Produkte im Markt zu platzieren. Er wusste als Baumaterialhändler im Bündnerland, wie wichtig es ist, nahe beim Kunden zu sein. Darum war er bereit, sich auch für die Betreuung der Twike-Piloten in der Südostschweiz einzusetzen. Sein Techniker Markus Weiss und später seine Nichte Marlis Gasser Jordi kümmerten sich mit dem Twike Zentrum Südostschweiz um Kunden der ganzen Region. Nicht nur technisch, sondern auch mit Twike-Treffen und Ausflügen.
Im Dezember 1998 waren rund 1000 Gäste zum 50-jährigen Jubiläum von Josias Gasser Baumaterialien in das im Rohbau fertige Nullenergiehaus in Haldenstein eingeladen. Jos hatte mit einem Gabelstapler ein Twike durch ein Fenster in den farbig beleuchteten ersten Stock hochheben lassen, auf einen Rollenprüfstand zwischen die Musiker und Esstische. Viele Gäste liessen sich das Fahrzeug erklären.
Das "Mountain Twike" war seine Idee. Er sah die Besonderheiten im Markt der Kunden im Gebirge. Wintertauglichkeit, Stabilität, Leistung, Zuverlässigkeit waren ihm wichtig. Vielleicht hätte er so ein Projekt alleine finanzieren können. Aber ihm war eine breite Trägerschaft wichtig. Nicht Einzelkämpfer, sondern ein Team. Er suchte das Vertrauen, ohne das eine Zusammenarbeit schwierig ist. Als wir mit den Twike-Vertriebspartnern im Jahr 1997 eine dezentrale Fertigung organisieren wollten, war er natürlich auch dabei. Er verfolgte im 1999 interessiert die Fusion des Entwicklers Twike AG und des Herstellers S-LEM SA zur der SwissLEM AG. Im Herbst 1999 lud er zu einer "TWIKE-Streetparade" nach Chur ein. Rund zwei Dutzend Twike fuhren vom Stadttheater durch die Altstadt.
Im 2002 musste die SwissLEM den Betrieb einstellen. Josias überlegte sich, zusammen mit Partnern das Materiallager zu übernehmen und die Twike-Entwicklung weiter zu führen. Als Ökonom waren ihm die wirtschaftlichen Herausforderungen sehr bewusst. Die deutschen Vertriebspartner um Martin Feneberg und Martin Möscheid bekamen aber dann den Zuschlag. Josias konzentrierte sich auf seine weiteren Projekte in den Bereichen Bau und Energieeffizienz.
Bei der 10. Vereinsversammlung des Twike Klub im 2006 waren wir bei ihm zu Gast in Haldenstein. Josias erklärte uns, wie der Energiebedarf des grossen Gewerbehauses mit Solarenergie gedeckt werden kann. Wir spürten auch seine Kundenorientierung und den wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitern. Er stellte ihnen für Fahrten regelmässig auch einige Twike zur Verfügung, die mit Firmenwerbung dekoriert waren.
https://www.twikeklub.ch/index.asp?PA=page.asp?DH=566 Im Sommer 2008 gabs das Fest 60 Jahre Gasser Baumaterialien mit einer Twike-Parade in Chur und einem Znacht in der Stadthalle. Es war ein Dank an die Mitarbeiter, Kunden und Freunde.
https://www.twikeklub.ch/index.asp?PA=page.asp?DH=674 Von 2009 an engagierte Josias sich auch in politischen Ämtern, zuerst im Gemeinderat von Chur, dann im Grossen Rat des Kantons Graubünden, im Evangelischen Kirchenrat von Graubünden, ab 2011 für eine Legislatur als Vertreter der Bündner Grünliberalen im Nationalrat in Bern. Zum Wahlkampf hat er auch die Twike-Fahrer eingespannt, denen er eine Wahlwerbungs-Deko mit seinem Portrait verpasste. Die grün-weissen Twike waren im ganzen Kanton bekannt. Trotz seinem Züritüütsch war er einer von ihnen. Josias hat sich aber auch ausserhalb seinen parlamentarischen Aufgaben und Firmen für eine zukunftsfähige Politik eingesetzt, z.B. bei Aktivitäten der Stiftung Zukunftsrat, und nachhaltiges Bauen und Wirtschaften.
www.twikeklub.ch/index.asp?PA=page.asp?DH=753 Im Herbst 2013 lud Josias den Twike Klub während der Herbstsession ins Bundeshaus ein und führte uns durch die Fraktionszimmer und Gänge. Beim Zmittag hat er uns gesagt, er könne hier mehr bewirken als er ursprünglich dachte.
https://www.twikeklub.ch/index.asp?PA=page.asp?DH=862 Die 19. Vereinsversammlung des Twike Klubs im 2015 fand wiederum in Haldenstein bei Josias statt. Er freute sich sehr, dass wir da waren. Das grosse Windrad hinter dem grossen Baumateriallager war seine Idee, zusammen mit einem Kollegen. Ich bin im Mast hochgestiegen und hab gestaunt, was Durchhaltevermögen und Überzeugungskraft bewirken können. Das Wort Nachhaltigkeit war bei ihm keine Floskel, sondern er zog es durch in seinen Baumärkten, in seinem Verhalten, in seinen Beteiligungen und Investitionen. Er hatte keine Angst vor den Kommentaren der Mitbürger, sondern versuchte seine Anliegen mit Freundlichkeit und Optimismus unter die Leute zu bringen.
https://www.twikeklub.ch/index.asp?PA=page.asp?DH=898 www.calandawind.ch Immer wenn ich Jos begegnet bin, da war die starke Präsenz, das aktuelle Mitdenken, seine wohlwollende, optimistische Art. Gleichzeitig spürte ich auch, wie vielseitig vernetzt er war. Seine vielen Ideen und Anliegen versuchte er parallel unter einen Hut zu bringen. Er war im Gespräch mit zahlreichen Leuten. Er war angewiesen auf eine gute Zusammenarbeit. Er versuchte, dieses Netz von Menschen nicht nur als Lieferanten, Kunden oder Partner zu sehen, sondern als Freunde. So lud er viele zu Anlässen ein, sei es ein Firmenjubiläum oder ein runder Geburtstag. Er war sparsam und gleichzeitig grosszügig, Ökonom und Mäzen.
Kürzlich rief er bei uns im Büro an. Er wollte Räume in einem alten Haus frei machen, wo noch Twike-Teile gelagert waren. Chassis-Prototypen, Ersatzteile, Unfallfahrzeuge usw. Sie waren aus der Zeit, wo er noch einzelne Neufahrzeuge im Twike Stützpunkt montieren lassen wollte. Ralph fuhr zu ihm hin, sortierte die jahrzehntealte Ware und durfte die brauchbaren Teile mitnehmen. Auch wurde über Zukunftsvisionen gesprochen und aktuelle Entwicklungen. Ich dachte, mit ihm werden wir darüber noch weiter reden müssen. Leider ist das jetzt nicht mehr möglich.
Deine Freude an guten Ideen, deine Freundschaft, dein Lachen, die wachen Augen, den Visionär werde ich vermissen. Ich danke dir lieber Jos und wünsche dir eine gute Fahrt!
Peter Zeller, Twike Team / dreifels (13.10.2025)>