TWIKE Klub
   
Deutschlandreise 2015
Ralph Schnyder

Der grosse Kanton im Norden ist zwar in den Medien immer präsent, aber wenn ich mir überlege, was ich davon kenne, dann ergibt sich dringender Handlungsbedarf. Hamburg, Berlin, Dresden, Nürnberg kenne ich nur aus der Literatur. Und den anderen Familienmitgliedern geht es nicht besser.

Ein guter Grund diesen Sommer das zu ändern. Natürlich per TWIKE.


Die richtige Ausrüstung ist da entscheidend, denn im Gegensatz zur kleinen Schweiz ist Deutschland 10 mal grösser. Mit 15 kWh Akkus und Zusatzladegerät ist das für ein TWIKE heute kein Problem mehr, 250 km Reichweite sind genug, damit wir uns tagsüber nicht ums Akkuladen kümmern müssen (Handyakkus ist ein anderes Problem).

Drei Fahrzeuge, drei Generationen TWIKE: TW 001 das Urtwike, TW 794 das Challenge TWIKE und TW 1007 das Neuste. Alle auf dem neusten Stand der Technik mit 3x3 Getriebe, Li-Ionen Akkus, dreifels Controller mit sms Modul und LED Matrix Display, sowie vielen USB Steckdosen, damit alle Handys und Pads mit Strom versorgt werden können (das Lademanagement der mobilen Geräte erwies sich bereits in den ersten Tagen als die komplexeste Herausforderung).

Eigentlich wollte ich mein Pad als Navi einbauen, aber da fehlt noch der richtige Halter und mit der richtigen Software bin ich noch am üben. Momentan hat sich das Naviapp von Nokia HERE (www.here.com) als gut erwiesen. Trotzdem vertrauen wir noch auf unsere Garmin-Asus Handys, um uns den Weg durch die Städte zu weisen.
Eine Interkom App sind wir noch am austesten, damit man zwischen den 3 Twike permanent eine Kommunikation aufrecht erhalten kann. Es wäre gerade in der Stadt manchmal praktisch, wenn man präziser als mit Lichthupe und Hupe miteinander kommunizieren könnte.

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Lörrach - Hamburg
21.7.2015

Strecke total 60 km, Energieverbrauch ca 1.5 kWh pro TWIKE

Los geht es die ersten 700 km per Huckepack. In 15 Stunden (door to door) sind wir von Gelterkinden in Hamburg Altona. Alleine das Verladen der Autos braucht 3 Stunden, denn alle werden sorgfältig mit Radschuhen, Sandsäcken und Gurten auf den Bahnwagen festgezurrt. Schliesslich sind wir dann, wenn der Zug endlich fährt mit 140 km/h unterwegs.

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Die TWIKE sind auf die Bahnwagen verladen.

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Ein Imbiss im Stehen vor der langen Fahrt (Speisewagen hat es keinen).

Wie viel Energie die Bahn für die Strecke braucht, hab ich noch nicht herausgefunden, aber ich vermute, dass schon nur die Klimaanlage der Kabine in den 15h deutlich mehr braucht, als das TWIKE brauchen würde (700 km = 40 kWh oder so viel wie unsere Solaranlage in 2 Stunden produziert).

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Die Grossraumkabine mit GoPro Kamerablick:

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Das Gute am Huckepack ist, dass man sich im Liegewagen ausstrecken und (zumindest ansatzweise) schlafen kann.

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So fahren wir um 10h morgens ab dem Autozug und direkt durch die Bahnhofshalle in Hamburg Altona ein, gesäumt von neugierigen Passanten fast wie bei einer Elektromobilrally. Dann geht es direkt ins Stadtzentrum. Christian macht den Lead, Jane in der Mitte und ich mach die Nachhut. Tanya sitzt bei mir drin aus dem einfachen Grund, weil man beim Challenge TWIKE mit den Flügeltüren auch einfacher im Autozug einsteigen konnte. Die Deckenhöhe ist unten nur 1.58m und da geht die normale Klappe nur so ganz ein bisschen auf.

Parkieren in der Stadt ist auch fürs TWIKE eine Challenge. Christian entscheidet sich für ein ganz normales Parkhaus, was sich als ansehlichen Anteil des Tagesbudgets erweisen sollte (kein Wunder standen da neben uns vor allem Porsches und Mercedes, da macht das prozentual einen kleineren Anteil aus.)

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. . . . man muss sich allerdings nicht von der Barriere erschlagen lassen, oft kann man daneben durch oder man könnte mit 3 TWIKE leicht versetzt mit einem Ticket durchfahren (haben wir jedoch nur theoretisch eruiert).



Hamburg Stadtbesichtigung
22.7.2015

Wo wir bei unserer letzten Reise in den Jura 2014 eher das Ghosttown-Feeling hatten, ist es hier in Hamburg eine richtige Boomtown. Hängt vielleicht auch damit zusammen, dass es ein ganz normaler Mittwoch ist und weder Ostern noch sonst was spezielles. Alle Geschäfte sind offen und es fehlt keine der weltberühmten Brands. Das Windowshopping lässt sich voll geniessen, eine Bluse für 200 Euro und ein Kleid für 379 Euro, mit 20% Sommersale Rabatt. Wir konzentrieren uns auf die digitalen Erinnerungsstücke.

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Touristen auf der Fotojagd.

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Der alte Hafen ist das neue Zentrum der Stadt.

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Brücken sind besonders geeignet, um ABUS Schlösschen anzubringen.

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Auf die korrekte Kabelführung kommt es an. Die Elbe geht zur Nordsee und da gibt es wesentlich mehr Tidenhub als bei der Ostsee, wie wir später noch von Adrian lernen können.

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Die Elbphilharmonie hat da trotz (oder wegen) hochkarätigen Schweizer Architekten gewisse Termin- und Budgetprobleme.

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Profis sind intensiv dran diese fertig zu bauen.

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Vom Schiff aus markiert sie den Ort, die geschlossene Erscheinung lässt vermuten, dass da was wertvolles drin steckt.

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Der Gegensatz dazu ist das andere Elbufer. Da dominieren Kranen, schwimmende Werften und viel mobiles Gerät. Auch ein Missisippidampfer hat sich da verirrt.

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Auf den Trottoirs wird an die dunkle Seite der Geschichte mit den sogenannten "Stolpersteinen" erinnert.

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Am Abend ziehen wir dann in unsere Unterkunft ein. Eine Steckdose hat es auf dem Parkplatz gut versteckt hinter den Büschen.

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Hotel: Das prizeotel www.prizeotel.com/hotel-hamburg (grammatikalisch-sprachlich etwas falsch geschrieben, aber als Brandname gut) hat klar erkannt, was die heutige Generation will: Budgetpreise und trendiges Design von Karim Rashid, aber das Wichtigste natürlich eine Technologie, die funktioniert.
Das hat gleich beeindruckt.

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WIFI schon als Begrüssungsslogan: HOME IS WHERE WIFI IS. Sogar der Fernseher ist anständig gross und funktioniert mit HD Auflösung und an der High-Tech Tischlampe hat es ein USB Anschluss zum Handy aufladen und der integrierte TV hat einen hdmi Anschluss herausgeführt.

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Da fühlt sich Mensch von heute gleich wohl in der Eierschale.



Hamburg - Lübeck
23.7.2015

Der Morgen gilt noch Hamburg.

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Das unendlich lange Büffet lädt zu einem excessiven Frühstück. Eine neu erlernte Spezialität ist das Matschbrötchen (siehe Bauanleitung).

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Danach gibt es noch einen kurzen Einsatz im Namen der Liebe mit dem Bus und der Hochbahn durch Hamburg. Mehr Details kann ich aus naheliegenden Gründen hier nicht verraten.

Kurz nach 15 Uhr geht es dann in einem endlosen Ampelparcous durch Hamburg Richtung Norden. Die GPS sind alle drei auf das gleiche Ziel programmiert. Das Intercom App funktioniert sogar über das lokale WLAN, welches ich mit dem Pad aufgebaut habe. Allerdings ist die Reichweite sehr begrenzt und sobald man sich an einem Rotlicht aus den Augen verloren hat, ist auch die Verbindung weg. Aber immerhin konnten wir es voll operativ nutzen, als mir aufgefallen war, dass uns der Garmin verdächtig in Richtung Autobahn gelenkt hatte. Mein Fehler; denn in der Schweiz muß man nur die Mautstrassen vermeiden, in Deutschland jedoch die Autobahnen generell.

Jetzt stimmt die Richtung und wir cruisen endlich auf der B75 in Richtung Lübeck. Ein Zwischenhalt beim malerischen Schlösschen in Ahrensberg. Es sieht ganz ähnlich aus wie das Wasserschloss in Glücksburg, wo wir auf der Rückreise von Nordkap 1998 ein Foto gemacht hatten mit Adrian . . . Plötzlich klingelt das Telefon und Adrian ist an der Leitung. Morgen Abend werden wir ihn in Warnemünde treffen und für den weiteren Verlauf der Reise mitnehmen.

Vor Lübeck steigen wir ab in unsere Unterkunft. Diesmal nicht so stylisch wie in Hamburg, eher die biedere Sorte, wo gerade busweise Belgische und Englische Rentnertouristen abgeladen werden. Hauptsache Wifi.

Die TWIKE können wir gleich vor dem Eingang parkieren, kämpfen noch etwas mit dem Buschauffeur um die letzten Zentimeter, damit wir nachher noch raus kommen, um in die Stadt zu fahren. Eine flotte Schukodose hat es gleich aussen neben der Türe im Busch versteckt und schon ist TW 001 am laden mit 10A. Die anderen beiden TWIKE werden wir, sobald wir zurück sind, mit je 5 A laden. Dann sind am morgen alle wieder voll für die Strecke nach Warnemünde.
Das Adapterkabelkonzept funktioniert bestes. Im TW 001 ist die Verteilerschaltung, sodass die anderen beiden TWIKE dort anzapfen können.

Daten Hamburg - Lübeck:

TW 0001: 68.6km 3841Wh 55Wh/km 45km/h 1:32h Motor 63C
TW 0794: 68.7km 3585Wh 52Wh/km 43km/h 1:34h Motor 64C
TW 1007: 68.4km 4011Wh 58Wh/km 44km/h 1:32h Motor 70C


Lübeck hat ein schönes Wahrzeichen und das ist auch bestens zu finden (anders als der Manneken Pis in Brüssel). Man fährt gleich darauf zu und kann auf der Hauptstrasse auch gerade anhalten für das obligate Erinnerungsfoto. Das Stadtor kann durchaus mit Pisa mithalten, ist zwar nicht so hoch und fein, eher etwas schwermütig-bodenständig, aber dafür in alle Richtungen mindestens so schief wie der Turm.

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Parkieren der TWIKE auf dem Grasstreifen zwischen den Velos bietet sich an (und ist wesentlich günstiger als das Parkhaus in Hamburg).

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Auch Lübeck hat ein schön herausgeputztes Stadtzentrum mit nur ganz wenigen baufälligen Gebäuden.

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Wir machen es uns im Gartenrestaurant des Kartoffelkellers bequem und geniessen den Abend. www.kartoffel-keller.de

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Dann zurück und die TWIKE einstecken für die lange Fahrt nach Warnemünde. Wir setzen die Lade-Endspannung auf 415V, damit wir 95% der Kapazität zur Verfügung hätten. Es ist luxuriös immer grosszügig Reservereichweite zu haben, damit wir so schnell fahren können wie die Strasse (und der Seitenwind) es zulässt. Den Pedalantrieb habe ich umgebaut, damit man auch mit 80 km/h noch mittreten kann (Option kleineres Ritzel auf der Schaltnabe).

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Lübeck - Warnemünde
24.7.2015

Von Lübeck aus geht es nach Osten. Kurz nach der Stadtgrenze ist ein Schild, welches auf die ehemalige Grenze zur DDR verweist. Ansonsten merkt man gar nichts, dass hier noch vor kurzer Zeit eine andere Weltordnung begonnen hatte. Wald, Getreidefelder und ganz selten einmal ein paar Häuser mit lustigen Ortsnamen.

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Wismar ist die erste ostdeutsche Stadt. Aufgrund der Beschreibungen haben wir nichts erwartet, ein paar verfallene Altstadthäuser vielleicht.

Wir steuern geradewegs auf das Stadtzentrum zu. Da sichten wir überrascht ein knallgelbes TWIKE! Die verdächtige Nummer mit GR . . . Janina und Stefan sind soeben vor einer Viertelstunde eingetroffen. Sie sind spontan und auf gerader Linie aus der Schweiz hier her gefahren.

Wismar

Ein TWIKE-Treffen in Norddeutschland. Beim Mittagessen tauschen wir unsere Erfahrungen und TWIKE-Mützen aus.

Da ihr Display nur noch sporadisch unleserliche Zeichen darstellt und somit weder Geschwindikeit noch Kapazität oder Spannung zu erkennen sind, heisst die nächste Mission: Lötkolben kaufen. Anstelle von Postkarten oder T-Shirts durchsuchen wir Wismar beim Stadtspaziergang nach Lötkolben und finden im Fischereiladen ein geeignetes Exemplar.

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Mit Fingerspitzen-Gefühl löte ich trotz grober Lötspitze alle smd Kontakte nach und voila, nach einem feinen Expresso ist die Kommunikation zwischen TWIKE und Fahrer wieder im Klartext möglich.

Wir trennen uns und fahren der Küste entlang nach Westen.

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Kurz nach 17h treffen wir in Warnemünde ein und holen Adrian am Arbeitsplatz ab.

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Genialerweise hat es dort im Technologiepark auch eine offizielle Ladestation mit zwei Typ 2 und Schuko Steckern. Perfekt denken wir und setzen uns sofort mit der Technologie auseinander. Der Button, den Christian am Tag vor der Abfahrt noch erhalten hatte, funktioniert tatsächlich.

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Wir machen eine Freudensprung, aber etwas zu früh! Der Säulencomputer wünscht sich vom Fahrzeug eine nette Rückmeldung. Wir können nur ein- oder ausschalten, aber dies scheint ihm zu wenig nett. Also nix mit Typ 2.

Zum Glück hat es links und rechts noch eine Schukodose hinter einem vandalensicheren Schieber. Mit 3 Händen (eine für den Schieber, eine für den Schukodeckel und eine für den Stecker) passt er rein. Leider habe ich gute Gummistecker montiert, und die sind so lang, dass der Schieber nicht zu geht. Da hilft nur das Schweizer Armeemesser weiter: Gummi abschneiden und dann passt es tatsächlich.

Ok 16 A hätten wir schon auf sicher, aber da sind wir mit dieser 10'000 Euro-Installation mal genau gleich weit, wie bei der Gartensteckdose im Hotel. Mindestens die zweite Schukodose möchten wir schon anzapfen. Das geht jedoch definitiv zu weit. Mit einem einzigen RFID Knopf kann man zwar die andere Steckdose auch öffnen, aber dann schaltet er die erste wieder ab. Das war im Pflichtenheft nicht vorgesehen. Wir bleiben also bei 1x16A und teilen den Strom auf, damit jedes TWIKE dann 5A bekommt. Soviel zum High-Tech Charging.

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Sand und Meer . . . leider etwas kalt und windig, aber das ist hier meistens so.

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Mit dem Wind geben die langen Haare eine richtige Mähne . . . morgen geht's nach Rostock und dann Haare weg!



Warnemünde und Rostock
25.7.2015

Warnemünde ist DER Sommerkurort der Ostsee. Entspechend war es eine Herausforderung eine Unterkunft zu finden. Christian hat seine Kreativität nützlich gemacht und uns zwei Kajüten auf dem Hotelschiff gebucht im alten Hafen Süd zwischen Rostock und Warnemünde. Etwas eng, aber mit eigenem WC und Dusche und das Ladekabel dürfen wir durch das WC-Fenster hinauf zum TWIKE oben auf dem Pier hängen. Herrlich ruhig ist es nachts am Hafen und das leichte Schaukeln lässt alle gleich sanft einschlafen.

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Unser Hotel ist ein Schiff, originell und leicht schwankend.

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Auf so einem Schiff gelten strenge Regeln! Wir sind folgsam und werfen keine anderen Gäste über Bord.

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Über Nacht legen wir parallel zu den Schiffstauen das Verlängerungskabel in die Kabine.


Samstag ist Shopping Day in Rostock. Auch hier überraschend wie sich die Stadt vom Sorgenkind zur lebendigen und fröhlichen Kleinstadt gemausert hat. Von grauem Osten oder frustrierten Ossies keine Spur. Deutschland lebt. Adrian bekommt einen Haarschnitt, neue Hosen und eine neue Brille.

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Bild der Shoppingcrew vorher.

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Gsundi und ich geniessen inzwischen die musikalische Unterhaltung und besuchen das Museum im Stadttor.

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. . . und zwei Stunden später.


Auf der Stadtautobahn geht es dann zurück nach Warnemünde, allerdings zeigt uns der Garmin noch demonstrativ, wie die Strassen vor nicht allzu langer Zeit ausgesehen haben. Durch die Gässchen der Altstadt werden wir und vor allem die TWIKE auf dem Kopfsteinpflaster so richtig durchgeschüttelt. Wenn danach noch alles dran ist, so war der letzte Service gut ausgeführt worden. Sämtlichen Schrauben (und Fahrer) wurden bis zur Ermüdungsgrenze geprüft.

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Die berühmten Plattenbauten Rostock-Lichtenfelde, wo damals die Frustration der Ostdeutschen eskalierte. Inzwischen leuchten auch hier die Sonnenblumen von der Fassade.

Die Hafenpromenade von Warnemünde ist gefüllt mit Touristen, am Pier liegt ein riesiges Kreuzfahrtschiff und ein Matrosenchor präsentiert stolz seine Seemannslieder (auch wenn musikalisch gesehen der Gemischte Chor Diegten diese wesentlich besser singt).

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Vorne am weissen Sandstrand stehen die Strandkörbe in Reih und Glied, die Strandbar is offen und ein ganz widerstandsfähiger Junge ist sogar am schwimmen. Wir haben unsere Badesachen absichtlich nicht mitgenommen - was hier in Deutschland allerdings kein Argument fürs Nichtschwimmen ist, weil jeder Strand seinen FKK Bereich hat.

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. . . In einem Geschäft in Rostock gab es sogar FKK-Bademode ;)

Ein Nachtessen im legendären Hotel Neptun (wo alle berühmten Politiker der DDR verkehrten) und einem Cocktail im Teepot geht es zurück in die Kojen.



Rostock - Waren - Burgwall
26.7.2015

Von nun an geht es in den Süden. Der stürmische Wind der Ostsee begleitet uns die ganze erste Etappe, sodass wir ab und zu die Fahrt etwas drosseln müssen. Mit 66 km/h ist es angenehm und wir kommen flott vorwärts. Stundenlang fahren wir über leichte Hügel durch wunderbare Baumalleen. Links und rechts reife gelbe Weizenfelder. Wo sind da die Leute? Die Dörfer sind selten und so klein, dass man den Ortsnamen kaum fertig aussprechen kann. Wir sind doch da mitten in Europa und nicht etwa im öden Outback Australiens. Ich dachte eigentlich Deutschland sei überbevölkert, kein Platz mehr für mehr und alles verstopft und verseucht. Das sieht da nicht so aus, sind wohl alle in den Westen geflüchtet.

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Die kleine Ortschaft "Waren" überrascht uns gerade nochmals. Am Nationalpark der Seenplatte gelegen ist sie touristisch voll erschlossen. Am Parkplatz im Hafen werden wir freundlich eingewiesen, links neben der Schranke vorbei fahren und Strom ist kein Problem, hat 10 Schukodosen, laden kostet 3 Euro.

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Dabei würde uns der Strom ja reichen für die restlichen 88 km. Trotzdem, wenn die Dosen da so nett serviert werden, dann nutzen wir es auch.

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So bleiben wir etwas länger in Waren und essen unten am Hafen einen Fisch.

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Der grosse Martkplatz ist frisch gepflästert und verkehrsfrei.

Tagesziel ist eine kleine Gaststätt "Zur alte Fähre" in Burgwall, einem kleinen Dorf am nördlichen Ende des riesigen Lehmabbaugebietes.
Die letzten 20 km werden wieder zum Härtetest. Auf den Nebenstrassen zwischen den Dörfern sind zwar meist keine Pflastersteine, aber wie wir bald analysiert haben, wurden diese auf die schnelle Art mit einer dünnen Asphaltschicht überzogen. Das rattert und schäppert zwar deutlich weniger, aber bei 50 km/h wird man so kräftig durchgeschüttelt, dass das GPS nicht mehr weiss wo oben und unten ist und ständig den Bildschirm dreht.

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Auf der Veloroute Berlin - Kopenhagen und mit Anlegestelle an der Havel gelegen, ist der kleine Gasthof gut besucht und wir sind froh haben wir am Tag zuvor die 3 grossen Zimmer reserviert.

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Heute gibt es Nachtessen "Wochenrückblick aus Adrians Kühlschrank", mit Brot, Wurst und Käse, dafür aber ein grosses Eis im Gartenrestaurant.

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Vokuhila Simulation - etwas vermissen tut Adrian seine langen Haare schon.



Burgwall - Ziegeleipark - Berlin
27.7.2015

Eine Ziegelei tönt ja interessant und so wie eine Mühle oder so was. Wir peilen das Ziel an, der Weg wir immer holpriger und ist schon fast zugewachsen, nur zwei Spuren im sandigen Grasboden. Zum Glück ist das TWIKE off-road tauglich und wir sitzen trotz tiefer Fahrspuren nicht auf. Nach 2 km sind wir wieder auf einer makellosen Asphaltstrasse. Neue Erkenntnis: Beim Garmin unbedingt die Option "unbefestigte Strassen vermeinden" aktivieren !

Hier ein kleines Video der Offroad-Fahrt: Video auf Youtube

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Wie es sich herausstellt sind wir hier im grössten Ziegeleiareal Europas. Halb Berlin wurde mit Ziegeln aus diesem Gebiet gebaut und zu besten Zeiten waren 63 Ziegel-Brennöfen in Betrieb.

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Der dichte Qualm und das beissende Schwefeldioxid und Staub der Braunkohle in der Luft lässt sich heute überhaupt nicht mehr erahnen. Die Umgebung ist ein Naturschutzgebiet mit vielen Seen, Schilf und Vögeln, Natur pur. Die Rückeroberung funktioniert.

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Die Lokomotiven waren teilweise schon mit Akkuantrieb.

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Da die Akkus fehlten versuchen wir es mit dem TWIKE als Lokomotive. Die Spur würde passen.

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Der Stecker für den Pluspol ist etwas zu gross.

Spannend ist die Industriegeschichte und die Phasen der Automatisierung und Industrialisierung.
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Bis vor kurzem hat man die Steine so wie in den letzten 2000 Jahren wie Kuchen geformt und an der Luft getrocknet.

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Dann in den grossen Rundofen geschoben.

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Und innerhalb von 7 Tagen gebrannt. Der Ofen war 100 Jahre in Betrieb bis zur Schliessung 1990.

Zu kämpfen hatten sie mit dem Klima im Winter und mit Arbeitskräftemangel. Zwangsarbeiter und Strafgefangene zur Umerziehung, es ging lange, bis sie von dem Lehmklötzchen-Formen zu einer automatisierten Produktion übergingen.

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Gerade mal 2 Jahre war dann die Anlage im Betrieb, bis 1990 dann alles eingestellt wurde.

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Die Anlagensteuerung, der Bordcomputer. Etwas grösser als im TWIKE.

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Motivation ist alles. Das Regime hatte seine spezielle Kommunikationsstrategie.

Dank Euro- und Westgeldern wurde das riesige Areal in eine Austellung vom Feinsten umgenutzt. Ein Vorzeigebetrieb mit multimedialen Kommunikationsmitteln nach dem neusten Stand der Technik. Mit Currywurst für die knurrenden Bäuche, Campingplatz, Kinderspielplatz, Hafen und Geländerundfahrt mit der Schmalspurbahn kommen alle auf die Rechnung.

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Sogar eine Solarladestation für E-Bikes (hat auch eine 32A Dose) ist vorhanden. Schweizer Touristen sind offenbar eine dankbare Zielgruppe.

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Eine perfekte Solartankstelle, leider brauchen wir gerade noch keinen Strom.


Ein Besuch ist absolut empfehlenswert und für alle Altersgruppen spannend.



Berlin
28.+ 29.7.2015

Danach ging es direkt ins Herzen von Berlin, zur Markgrafenstrasse. Das GPS meinte rechts abbiegen, aber das war eine schlechte Entscheidung. Die Option "kürzeste Strecke" ist hier im Osten zu deaktivieren, denn es gibt noch die Originalstrassen aus grossen Pflastersteinen nach den Bauplänen von Julius Cäsar. Sie sind romantisch schön anzusehen, aber definitiv nicht kompatibel zu den 5 bar Hochdruck-Niederquerschnittsreifen des TWIKE. Bitte wenden und zurück zur neuen Hauptstrasse.

Bei km 600 seit Beginn der Fahrt kommt das Ortsschild Berlin. Die volle Aufmerksamkeit gilt für die restlichen 20 km bis zum Hotel der 3-spurigen Strasse, vor allem, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren.

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Eigentlich hat es für so eine Stadt sehr wenig Verkehr und die üblichen verschlungenen Stadtautobahnen konnte ich nirgends entdecken. Dafür immer links und rechts die Radstreifen und Wege. Beim Konzept Auto reichte es jedoch schon wenn 10 Fahrzeuge zusammen kommen für eine richtigen Stau. Die Lichtsignale lassen immer nur 3 Autos durch, sodass wir uns bald verloren hatten. Das Intercomm App geht leider auch nicht mehr ausserhalb der Sichtverbindung. Trotzdem finden wir alle das Ziel. Super moderne Hotelzimmer in der Zone, die vor 25 Jahren noch Brachland an der Grenze zum Osten war.

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Die schäbigen Absteigen mit Gemeinschaftsklo gibt es wahrscheinlich auch noch, aber dank der Abwertung des Euro ist der Anreiz diese zu Übernachtungszwecken zu nutzen, nicht vorhanden.

Wir konzentrieren uns auf das Neue und Schöne der Hauptstadt Berlin. Davon gibt es sehr vieles, denn seit 1989 ist wohl fast die Hälfte der Stadt neu gebaut worden. Glaspaläste, elegante Boutiken säumen die Strassen.
Einfach ist es trotzdem nicht sich auf das Positive zu konzentrieren, denn fast an jeder Ecke hat es eine Gedenkstätte, ein Mahnmal oder ein Museum, das auf die Schreckenstaten der letzten 70 Jahre verweist. Jeder, der über die Mauer geklettert ist oder es versucht hat wird zum Helden stilisiert. Auf gestalterisch höchstem Nievau werden die Untaten des (anonymen) Sozialismus dargestellt. Tunnelbauer, Abseilkünstler und Kamikazeflieger werden in der (W)Hall of Fame zelebriert . . . der Flüchtling als selbstloser Prophet im Namen der Freiheit und des Sieges der wahren Weltordnung. Da fragt man sich, ob alle die heute aus der Not nach Europa fliehen und in Asylantenlagern landen auch einmal zu Helden der Weltgeschichte werden.

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Noch am Abend besuchen wir das Museum gleich beim Checkpoint Charlie. Erfrischend ist, dass hier offenbar noch kein Kommunikationsexperte zur Türe hereingelassen wurde. So wie der Grossvater das in seiner Wohnung getan hätte, sind alle Wände volltapeziert mit Zeitungsartikeln und Legenden (in 4 Sprachen übersetzt) dazu. Ich bin vor allem beeindruckt, wie tatsächlich in der heutigen Zeit noch viele junge Leute die Texte aufmerksam studieren. Es hat etwas authentisches, ein Suchen im Archiv.

Am Checkpoint stehen immer noch 2 amerikanische Soldaten. Mit der Ausweiskontrolle nehmen sie es nicht so genau, dafür kann man für 2 Euro ein Foto machen. So verdienen sie wohl einiges mehr, als wenn sie für Onkel Sam an der Front kämpfen würden.

Ein Tag Pflichtprogramm. Die TWIKE bleiben dicht zusammen geparkt am Strassenrand stehen, denn zu Fuss und per U-Bahn ist man hier defintiv besser und schneller unterwegs.

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Das Tor zur Welt. Trabi und Touristen.

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Hier ist die Schaltzentrale.

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Auch eine bekannte Flagge weht am Horizont. In Deutschland zählt die Schweiz noch was.

Die Stadt hat das Problem eines Regenwurms. Man hat sie quer durch die Mitte in zwei Städte zerschnitten und dann nach 28 Jahren wieder zusammen genäht.
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Die Nahtstellen sind fein säuberlich verputzt worden, eine Pflastersteinlinie markiert den ehemaligen Verlauf und einzelne Reliquien der Mauer wurden in vielfältiger Weise präpariert, als Symbolelement stilisiert und zelebriert.

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Der Ordnung halber werden gewisse Betonklötze angeschrieben als DENKMAL, sonst könnte ein ordnungsbewusster Bauarbeiter diese aus Versehen entsorgen.

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Der imposante Fernsehturm am Alexanderplatz beherrscht die Stadt. Dass dieses grösste Bauwerk Deutschlands in der DDR 1965 gebaut wurde tut nichts mehr zur Sache.

So ein richtiges Zentrum der Stadt mit Fussgängerzone etc. konnten wir nicht finden. Aus der U-Bahn Station "Stadtmitte" steigt man mitten in der Friedrichsstrasse aus und weiss dann auch nicht so recht auf welche Seite man sich auf das schmale Trottoir retten soll. Zu sehen und fotografieren gibt es da nichts.

Brandenburger Tor und dann zum neuen Reichstag. Alles schön herausgeputzt und die obligaten Busladungen des Homo Touristicus umzingeln die Gebäude.

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Im Untergrund ist der Geisterbahnhof ebenfalls konserviert worden.

Der Tourist Guide (=Führer?) listet vor allem Museen auf. Die Hauptstadt als Ansammlung von Museen, im besten Fall mehrere zum gleichen Thema.

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Wie dazumal kann man durch die Schlitze oder von einem Beobachtungsturm auf die Verbotene Zone schauen.

Man arbeitet die dunkle Vergangenheit auf, am Abend noch mit einem Musical dazu. Das wäre etwas zu viel für uns sensible Schweizer gewesen. Wir können ja nichts dafür und hätten das ja sowieso nie soweit kommen lassen.

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Das Zentrum des Westens zelebriert neben dem KadeWe die Gedächtniskirche, rsp. was davon geblieben ist.

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Einstimmig machen wir uns nach der Currywurst auf ins Kino. Die "Minions" sind genau das Richtige, liebenswert, unschuldig und naiv freuen sie sich auf die Herausforderung den grössten Schurken zu dienen . . . die anderen im Saal waren glaube ich nicht auf die politische Tiefgründigkeit dieses Films vorbereitet gewesen und haben das auch nicht gemerkt, Hauptsache immer etwas doof und lustig.

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Aber ohne die vorgeschriebene Dosis Kultur darf man Berlin nicht mehr verlassen. Schliesslich ist es heute nicht mehr wie vor 25 Jahren das Anschauungsobjekt der Überlegenheit der amerikanischen Kultur, sondern die echte Hauptstadt von Deutschland und damit von der finanziell stärksten Macht in Europa. Wir entscheiden uns für die gross angekündigte Dali-Ausstellung. Vor der Abreise werden wir uns mit einem der grössten europäischen Künstlern des 20. Jahrhunderts auseinander setzen. In einem lehrreichen Video lernen wir gleich am Eingang wie man eine Lithographie macht (wurde glaube ich nicht von Dali erfunden) und durchkämmen mit abnehmender Aufmerksamkeit alle seine lüstigen Kritzeleien, mal ein paar religiöse Sujets und nackte Frauen mit Schubladen, immer in der Hoffnung es kommen dann die berühmten surrealistischen Bilder. Dann kommt schon der Ausgang und am Postkartenständer sehen wir, dass seine Meisterwerke leider in Paris, New York und sonstwo in der Welt zusehen sind, aber nicht in Berlin . . . Zum Glück sind die 56 Euro Eintritt nicht mehr so viel wert wie früher.

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Zeit für die Weiterfahrt nach Süden. Wir packen unsere Sachen und folgen der Köpnitzer Strasse bis wir aus Berlin draussen sind.

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Ziel: Ein kleines Gasthaus in Bestensee, wo wir am Vorabend übers Internet zwei Zimmer reserviert hatten für 180 Euro / 5 Personen.

In Berlin hatten wir uns gar nicht erst bemüht eine Ladestation zu suchen, da die Akkus noch halb voll waren. Hier im Gasthof erspähen wir gleich an der Seitenwand eine 63A Dose. Diesen Adapter habe ich leider nicht dabei, aber die Schukodose daneben reicht uns auch. Das TW 001 ist wieder Mutterkuh. Wir stecken die anderen beiden TWIKE dort in die L2 und L3 Dosen ein und laden mit je 4 A. Prognose 8:45h Ladezeit. Das reicht bis zum Frühstück problemlos.

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In Bestensee hat es auch einen See, idyllisch und unberührt.

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Wohl die kleinste Bibliothek der Welt!

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Romantisches Nachtessen im Jahre 2015 n.Chr.



F 60 Braunkohlemine - Dresden: den Eiffelturm flach gelegt
30.7.2015

Auf google earth hatten wir verdächtige Wunden in der Erdkruste entdeckt. Der genauere Blick zeigte die riesigen Braunkohle-Abbaugebiete. F60 www.f60.de heisst die grösste Braunkohle-Abräummaschine der Welt. Sie ist als Besucherbergwerk konserviert und zugänglich.

Nach 2 Stunden Fahrt durch endlose Föhrenplantagen, unberührte kleine Seen, Getreidefelder und ganz selten ein kleines Dörfchen sieht man das Ungetüm schon von weitem. Eine gigantische Stahlkonstruktion, eine fahrbare Brücke, die grösser als der Eiffelturm ist.

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Auf dem Parkplatz gleich mal nach Strom fragen. Wir könnten zwar auch so noch bis Dresden weiter fahren, aber wenn es Strom gibt, dann muss man ihn nehmen. In der Tat, es hat sogar eine nagelneue Ladesäule für Elektroautos. Die Freude ist gross als sogar der Dongle akzeptiert wird und die Säule Ladebereitschaft mit einem hübschen Smily ankündigt. Die Entäuschung folgt sogleich, denn sie will ein Kabel mit mindestens 20 A, und wir haben nur 16 A. Zum Glück hat es noch zusätzlich eine Schukodose für Motorräder. Also Stecker rein und laden. Wenn oben mindestens 20 A verlangt wird, kann die Schuko sicher die 16 A und noch etwas Toleranz aushalten.

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Falsch gemeint, nach ein paar Minuten kein Smily mehr, dafür "Ausser Betrieb". Na gut es hat ja noch eine zweite. Auf Nachtlademodus hänge ich die 3 TWIKE mit je 5A an so wie das bisher in jedem Landgasthof prima funktioniert hatte. Ein Zuständiger für die Technik ist schnell gefunden und er hat einen Schlüssel. Leider nur zum Sicherungschrank und nicht zur Säule. Inzwischen ist auch die andere Schuko tot.

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Aber beim Besucherzentrum hat es Strom in ganzer Fülle: so können wir den 32 A CEE Adapter endlich einsetzen. Schliesslich hatte die F60 ein etwas dickeres Anschlusskabel denn sie brauchte 27'000 kW zum fahren und buddeln.

Die Führung geht gleich los. Ein richtiges Technikdenkmal oder wenn man genauer überlegt eher ein Mahnmal; Denk-mal!

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Die tolle Maschine wurde in drei Jahren zusammen gebaut und war dann ein Jahr in Betrieb, bis man sie wieder sprengen wollte, da nach der Wende 1990 unrentabel. Sie macht ja auch nichts anderes als Dreck aufzuschaufeln und dann 500 m weiter drüben wieder abzuwerfen. Die Braunkohle, welche 90 m unter dem Boden ist, will keiner mehr, Briketts zum Zimmeröfen heizen sind vorbei und all die schmutzigen Industrieöfen wurden durch andere Technologien ersetzt.

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Statt mit viel Aufwand die Kohle raus zu buddeln und dann zu verbrennen zur Stromerzeugung wurden nun riesige Windparks erstellt und hektarenweise Photovoltaikanlagen gebaut.
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Die liefern jetzt gleich direkt Strom ohne die ganze Buddelei. Das ist Fortschritt.



Reise 2. Teil ab Dresden

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